Jahresberichte


Jahresbericht 2018

Welches sind die zentralen Aufgaben einer loaken Naturschutzvereinigung? Ist es die Pflege von Naturschutzoasen in einer immer stärker von einer Intensivlandwirtschaft und von der Freizeit­konsumkultur bedrohten Umgebung? Ist es die Unterstützung von bedrohten Tierarten, die Infor­mation der Öffentlichkeit, die Sensibilisierung der Kinder für Naturanliegen oder das politische Engagement für unsere Sache? Wir versuchten auch im letzten Jahr einen Weg, im Rahmen unserer Möglichkeiten den unterschiedlichen Ansprüchen gerecht zu werden.

Das Jahresthema war unseren Bächen gewidmet. Das Na­turverständnis der Bevölkerung und insbesondere auch der Kinder hat in den letzten Jahren gelitten. Wir wollten des­halb Schulklassen positive Erlebnisse an unseren Bächen ermöglichen. Vier Mittelstufenklassen erhielten die Chance mit einer Betreuung durch Freiwillige während zwei Tagen, die Wasserlebewesen in unseren Bächen zu untersuchen und sich vom Leben darin faszinieren zu lassen. Die Grund-lage dazu bot eine vorgängige Weiterbildung der Lehr- und Begleitpersonen durch eine Biologin. Die Erlebnisse und Erkenntnisse der Untersuchungen präsen­tierten die Schulklassen am Wassertag, am 16. Juni. Begei­stert zeigten sie den zahlreichen Besucher/inne/n, wo sie welche Tiere gefunden hatten. Sie erklärten, welche für gute und welche für schlechte Wasserqualität stehen und de­mon­strierten, wie man achtsam mit den Insekten umgeht. Zudem konnte die Bevölkerung das Wasserreservoir besu­chen und sehen, wie viel Sorgfalt und Pflege für unser Trinkwasser aufgewendet wird.

Aber auch im Wasserbereich ist politisches Handeln ge­fragt. 2017 zeigte die ETH, dass viele kleine Bäche in der Schweiz in einem sehr schlechten Zustand sind – in 80% der Proben wurde die Gewässerschutz­verord­nung nicht eingehalten. Als ein schlechtes Beispiel wurde u.a. der Sickerkanal in Diepold­sau erwähnt, der im südlichen Teil praktisch tot ist.

Unser Oberflächenwasser fliesst durch das Rohr nach Österreich, als Scheibenkanal in den Lustenauerkanal und dann zum Bodensee. Die Velo-Herbstexkursion bot die Möglichkeit, unserem Wasser bis zum See zu folgen, auf dem Weg von den Verkehrsplänen im Auer Ried zu erfahren und die Wasservögel bei der Rheinmündung zu beobachten. Damit wurde der Bogen geschlagen zum Auftakt ins 2018, zum eindrucksvollen Referat von Markus Grabher „Das Rheindelta im Wandel der Jahreszeiten“.

Erfreuliches erlebten wir im 2018 in der Vogelwelt: viele, der weit über 50 im Jahr zuvor neu ange­brach­ten Schwalben- und Spyrenkästen an der Werkstras­se wur­den angenom­men. Die Kolonie kann so auch in Zukunft Bestand haben ohne die Hausfassade zu stark zu be­schmutzen. Einen Effort leisteten wir für die 6 Kiebitz­pärchen, die im Raum Isenried brüteten. Nach intensiven Beobachtungen konnten wir die Bodengelege ausfindig machen und mit einem eilends konstruierten Nestschutz versehen. Einige kleine Kiebitze haben so überlebt. Ein toller Erfolg für diese Flugkünstler, die früher bei uns sehr verbreitet gewesen und heute sehr selten geworden sind.

Neben positiven Erlebnissen gibt es auch die anderen Erfahrungen: Die Amphibien­wan­derung entlang der Balgacherstrasse ist Jahr für Jahr mit sehr viel Aufwand verbunden: An 10 Abenden wurde gesperrt, an 20 Abenden zusätzlich kontrolliert und patrouilliert (Total ca. 60 h Arbeit). Der Erfolg ist bescheiden, immer weniger Amphibien machen sich auf den Weg – ein sicheres Zei­chen, dass der Bestand rapide sinkt. Ob die geplanten Massnahmen im Kontext des Binnen­kanalprojekts noch einen Umschwung einleiten können, ist unseres Erachtens höchst fraglich.

Naturschutzarbeit ist tatkräftiges Anpacken: Am Früh­jahrs-Arbeitstag wurde die Hecke der Orts­gemeinde beim Bofel mit vielen helfenden Händen zurückgeschnitten. Die dabei ent­standenen Ast­haufen geben vielen kleinen und grös­seren Tiere neuen Unterschlupf. Am Herbst-Arbeits­tag stand die Bekämpfung des Sommerflieders im Kies­areal der Firma Sieber im Zentrum. Von Hand und mit Bagger wurde trotz Regen diesem sich rapide ausbrei­ten­den Neophyten an den Karren gefahren. Eigentlich unver­ständlich, dass die Gartenzentren diese Problempflanze immer noch anbieten. Dies war aber nur ein Einsatz von vielen bei der Be­kämpfung der invasiven Pflanzen – insgesamt wurden 222 h (!) Freiwilligen­ar­beit geleistet – nach wie vor hauptsächlich durch die Gruppe 60+ und insbesondere Paul Lüchin­ger. Zusätzlich fallen während des Jahres immer wieder kleinere Arbeiten an: Das Putzen der Nist­kästen, das Pflegen von verletzten Fledermäusen und Igeln durch Agnes Schümperlin, die Quartierbetreuung und das Zählen von Fledermäusen zur Bestandeserfassung und –kontrolle….

Naturschutzarbeit ist aber auch Kommissionsarbeit: Wir engagieren uns gemäss unseren Statu­ten für eine lebenswerte Rheininsel. Dies beinhaltet den Kampf für vernünftige Ver­kehrslösun­gen, u.a. Mitarbeit in der Verkehrskommission (Schwerpunkt Langsamverkehr) oder in der Netz­strategie Mittleres Rheintal. Wir bringen unsere Anliegen in die Energiekommission und in die Begleit­kom­mission des Binnenkanalprojekts ein. Wir machten mehrere Vorstösse für eine lebensfreundliche und zukunftsgerichtete Gestaltung des Dorfplatzes. Der Erfolg war klein – es wurden einige fremd­ländische Bäume durch einheimische ersetzt. Der geplante Platz wird ein ver­dichteter, sonnen­exponierter Raum, der weder den klimatischen Veränderungen noch den zu erwartenden starken Regenfällen noch Biodiversitätsansprüchen Rechnung trägt. Schade, eine vertane Chance! Die Neugestaltung des Platzes bei der Evangelischen Kirche dagegen ist wesentlich besser geraten.

Zur Naturschutzarbeit gehören auch die Kontakte zu anderen Organisationen (BirldLife SG, Fle­dermausschutz SG/AR/Liechtenstein, Lebensraum Rheintal sowie Naturschutzvereine in der Umgebung). Die Koordination der Aktivitäten wird immer wichtiger, die wesentlichen Entscheide werden immer mehr nicht mehr lokal sondern regional getroffen (z.B. Agglo­merationsprogramm Rheintal, Regionalplanung, Melioration…). Gelingt es uns nicht, gemeinsam aufzutreten, drohen die Naturschutzanliegen noch mehr unter die Räder zu kommen. Noch immer sind wir in unse­rem Tal weit entfernt von einer nachhaltigen Entwicklung, in der ökonomische, soziale und ökolo­gische Aspekte gleichermassen Gewicht haben.

Januar 2019

Jürg Sonderegger, Präsident Naturschutzgruppe Alta Rhy


Jahresbericht 2017

Der Biber ist zurück auf der Rheininsel! Wer dem Alten Rhein entlangspaziert, findet gefällte Bäume, Frass-Spuren und kann darüber staunen, dass ein erwachsener Biber in einer Nacht ohne Probleme einen 30 cm dicken Baum fällen kann. Er tut dies übrigens nur in der kalten Jahreszeit zwecks Vorratsbeschaffung, im Sommer findet er genügend Kräuter und Triebe, die sind nahrhafter und bequemer zu beschaffen. Die Naturschutzgruppe Alta Rhy hatte einen guten Riecher, als sie für 2017 das Jahresthema „Biber“ gewählte. Dieses Tier interessiert und fasziniert. Dies zeigte sich an den Fragen zum spannenden Referat des Wildhüters Mirko Calderara an der Hauptversammlung. Es zeigte sich aber auch an der sehr grossen Menge an interessierten kleinen und grossen Besucher/inne/n bei der Biber-Exkursion im März. Tapfer kämpften die Biberinteressierten gegen den rasenden Wind an, um sich beim oberen Rhyspitz vor Ort zu informieren und mit dem Wildhüter einen Augenschein zu nehmen.

Seit einem Jahr betreibt die Naturschutzgruppe die ehemaligen Grenzerhäuschen als kleinen aber feinen Ausstellungsort. Das Mini-Museum steht Vereinen und Personen als Ort zur Verfügung, an dem Spaziergän-ger/inne/n für eine Ausstellungsdauer von jeweils ca. 3 Monaten Einblicke in ein lebendiges Dorfleben gewährt wird. Die Naturschutzgruppe hat das Jahresthema zum Anlass genommen, um in den drei Hütten den Biber und seine Lebensweise genauer vorzustellen.

In der zweiten Hälfte des Jahres durften wir einen Beitrag an das Überleben der Schwalben und Spyren (Mauersegler) leisten. Es kommt selten vor, dass ein Wohnungsbesitzer die Initiative ergreift, um den Be-stand dieser faszinierenden Langstreckenzugvögel langfristig zu sichern. An der Werkstrasse, wo Stephan Hutter lebt, hat es eine der grössten Schwalben-kolonien in unserer Gegend. Weit über 50 Nester dienen Jahr um Jahr der Aufzucht junger Mehlschwal-ben. Dass dabei die Fassade verdreckt wird, ist ein nicht von allen gern gesehener Nebeneffekt. Auf Initiative des Jägers und Tierfreunds Stephan Hutter und dank des Entgegenkommens der Hausbesitzer (Casa-Invest AG) und unter Mithilfe der Feuerwehr konnten im Oktober 50 künstliche Nisthilfen so ange-bracht werden, dass in Zukunft die Fassade nicht mehr so stark beschmutzt wird und so menschliche und tierische Bedürfnisse nebeneinander Platz haben sollten. Wir freuen uns, wenn im Sommer 2018 viele junge Schwalben und Spyren in den neuen Nestern schlüpfen werden.

Noch eine Vogelart hat uns 2017 beschäftigt. Erstmals haben wir beobachtet, wie fünf Kie-bitzpärchen sich daranmachten, auf der Rheininsel zu brüten. Diese Flugkünstler sind Bo-denbrüter, waren früher in der Rietlandschaft unserer Gegend weit verbreitet, sind heute aber äusserst selten. Sofort versuchten wir mit dem betroffenen Landwirt eine Vereinbarung zu treffen, dass das entsprechende Feld nicht oder erst später bepflanzt wird. In der Kürze war dies nicht mehr möglich – es konnte kein Weg gefunden werden, wie Maisanbau und Brut aufeinander abgestimmt werden konnten. Vielleicht ist dies 2018 mit mehr Zeit möglich. Geben uns auch die Kiebitze eine neue Chance?
Dieses Beispiel zeigt, wie schwierig es ist, unseren Lebensstil und die Naturvielfalt zu ver-binden. Der Bericht zur Artenvielfalt im Kanton St. Gallen (2016) zeigt bedenkliche Entwick-lungen auf: Die Vielfalt von Ökosystemen, Arten und Genen und ihr Zusammenspiel sind bedroht. Der Rückgang der Amphibien ist dramatisch – das stellen wir Jahr für Jahr bei der Krötenwanderung und damit verbundenen Sperrung der Balgacherstrasse fest. Es muss uns zu denken geben, dass in Süddeutschland 80 Prozent weniger Insekten gezählt wurden als in den 90er Jahren – oder ist dir als langjährige/r Autofahrer/in nicht auch aufgefallen, dass viel weniger Insekten an der Windschutzscheibe kleben bleiben? Wo Insekten fehlen, ist das ganze Ökosystem gefährdet – und dies betrifft nicht nur die Tiere, die diese fressen, sondern auch uns Menschen, indem z.B. wichtige Bestäuber unserer Nutzpflanzen fehlen.
Die Vielfalt an einheimischen Tieren und Pflanzen nimmt drastisch ab, die Gesamtanzahl dagegen nicht. Neuankömmlinge wie Goldruten, Japanknöterich, Riesenbärenklau, Signalkrebse, Körbchenmuschel verdrängen einheimische Arten und bedrohen unsere Ökosysteme aber auch unsere landwirtschaftlichen Grundlagen (Z.B. Erdmandelgras). Im Bereich der Bekämpfung der Neophyten ist Diepoldsau dank des grossen Einsatzes der Gruppe 60+ vorbildlich. Das langjährige Engagement unter Leitung von Paul Lüchinger zeigt Wirkung, kaum eine Gemeinde hat das Goldrutenproblem so im Griff wie wir – 2017 wurden dafür 175 Mannsstunden oder 23 Arbeitstage Freiwilligenarbeit aufgewendet.

Naturschutzarbeit ist vielgestaltig: Sie beinhaltet unspek-takuläre Alltagsarbeiten wie die Krötenrettung, das Pfle-gen von Igeln und Fledermäusen, das Reinigen von Nistkästen usw. Dazu kommen Informations- und Erleb-nisaktivitäten. Leider musste die Exkursion ins Mag-letsch-Gebiet wegen schlechten Wetters abgesagt wer-den: Bei jener ins Schweizer Riet, zu der uns erfreu-licherweise die Ortsgemeinde Schmitter eingeladen hatte, trotzten nur wenige dem Dauerregen. Dafür durften wir wieder mit ca. 80 Personen eine stimmige Waldweihnacht und damit eine spezielle Form eines Naturerlebnisses feiern.

Mitarbeit in der Naturschutzgruppe Alta Rhy beinhaltet auch lokalpolitisches Engagement wie die Mitarbeit in der Natur- und in der Energiekommission. Durch die Einbindung der „Vereini-gung Lebenswertes Diepoldsau-Schmitter“ wurde unser Einfluss in der Verkehrskommission verbessert. Es ist für eine nachhaltige Entwicklung unserer Gegend entscheidend, dass öko-logische und soziale Interessen gleichwertig wie die wirtschaftlichen berücksichtigt werden. Das tönt in einer Zeit, in der der Konsum und das Beschäftigen mit elektronischen Ersatzwel-ten im Zentrum stehen, nicht wahnsinnig attraktiv. Es ist es aber und gibt das Gefühl, etwas für eine menschenfreundliche Zukunft und für eine l(i)ebeswerte Gemeinde dringend Nötiges zu tun.

Januar 2018

Jürg Sonderegger, Präsident Naturschutzgruppe Alta Rhy


Jahresbericht 2016

Eine zentrale Aufgabe der Naturschutzgruppe ist die Förderung und Erhaltung einheimischer Pflanzen- und Tierarten. Dafür braucht es primär Freude an der Natur, Wissen und Kenntnisse, aber auch die Bereitschaft zum Tun und die Ausdauer Vorhaben über Jahre hinweg durchzuziehen.

An der Hauptversammlung im Februar zeigte Fredy Kuster die Vielfalt der einheimischen Sträucher. Dabei wurde deutlich, dass es zu den eingeführten Gartensträuchern viele wertvolle Alternativen gibt, welche vielfältige Lebensgrundlagen für andere Lebewesen geben.

Im Mai beteiligen sich die Naturschutzgruppe am Festival der Natur und am Tag der offenen Gärten – passende Anlässe, um den neuen Weiher im Fahrmad der Öffentlichkeit vorzustellen. Dieser soll dem einzigen Kammmolch-Vorkommen auf der Rheininsel das Überleben ermöglichen. Eine grosse Anzahl der Besucher/innen erhielt an diesem Anlass erstmals die Gelegenheit, unseren „kleinen Dra­chen“ aus der Nähe zu betrach­ten und zu bestaunen.Ausserdem konnten die Naturinteressierten an Informationsposten die einheimischen Sträucher und die Neophyten und unsere Bemühungen zu deren Bekämpfungen kennenlernen.

Auch dieses Jahr erwies sich die Krötenrettung entlang der Balgacherstrasse als mühsames und lang­wieriges Unterfangen. Ein erster Wärmeeinbruch im Januar führte dazu, dass sich erste Tiere auf Wan­der­schaft begaben, die anschliessende Trockenheit verzögerte das Ganze. Schlussendlich führte das dazu, dass während 10 Wochen Abend für Abend die Situation neu geprüft, Patrouillen durchgeführt oder die Strasse gesperrt werden mussten. Der Ertrag dieser Bemühungen ist zweifelhaft. Die Krötenpopula­tion nimmt drastisch ab. Mit der Sanierung der Balgacherstrasse muss das Problem ganzheitlich ange­gangen und auch die Aufwertung des Moosanger-Schutzgebietes muss forciert werden.

Der Frühsommer steht jedes Jahr im Zeichen der Bekämpfung der Goldruten und anderer Neophyten. Insgesamt wurden in diesem Jahr allein dafür 121 Stunden Freiwilligenarbeit geleistet. Es gibt wohl kaum eine Gemeinde im Rheintal, die diese Problematik in den letzten Jahren so konsequent verfolgt hat. Nach all den Jahren Grosseinsatz und Ausdauer von Paul Lüchinger und seiner Gruppe 60+ zeigen sich schöne Erfolge, indem im Herbst kaum mehr grössere Naturflächen trügerisch schön goldig leuchten. Die Problematik aber ist nicht ausgestanden: Japanischer Knöterich, Springkraut, Sommer­flieder etc. sind eine andauernde Gefahr für unsere Flora und indirekt auch für die Fauna.

Ein weiterer Höhepunkt im Vereinsjahr war der Herbsttag auf dem Gemeindeplatz. Die Bäu­erin­nen verkauften ihre Produkte an Markt­ständen und wir ermöglichten Gross und Klein Most zu pres­sen, zu degustieren mitzu­neh­men. Ausserdem konnten Apfelcharlotten ge­backen oder Nüsse geknackt werden. Das Jahresthema „Einheimische Sträucher“ wurde wiederum aufgegriffen, indem Produkte von diesen probiert (z.B. Sanddorn­produkte, Hol­derkonfiture) und auch einheimische Sträu­cher gekauft werden konnten.

Die Statuten der Naturschutzgruppe sehen vor, dass diese u.a. Einfluss nimmt „auf die Landschafts- und Siedlungsplanung im Sinne des Natur- und Landschaftsschutzes“. Mit diesem Auftrag ist die Natur­schutzgruppe in der Natur- und Energiekommission vertreten, engagiert sie sich in Verkehrsfragen. So ist es folgerichtig, dass der Vorstand zur Zusammenarbeit mit der „Vereinigung für ein lebenswertes Die­poldsau-Schmitter (VLDS)“ Hand geboten hat. Diese engagiert sich ganz besonders in Verkehrsfragen, insbesondere für den Langsamverkehr. Die Vereinigung wird in Zukunft zwar eigenständig aber neu unter dem Dach der Naturschutzgruppe im Sinne einer Arbeitsgruppe handeln (vergleichbar mit der Gruppe 60+).

Der Vorstand der Naturschutzgruppe hat sich ausserdem kräftig an der Sa­nierung der Gre­zer­hütten beteiligt. Diese gehören seit Jahrzehn­ten zum Landschaftsbild von Diepoldsau, sind wich­tige Zeugen der Vergangenheit und prägten in all den Jahren das Selbstverständnis der Be­woh­ner/­innen an dieser Grenze. Dank Frei­will­ligen­arbeit konnten die Hütten erhalten werden, nach­dem sie die Grenzwacht abstossen wollte. Die drei verbliebenen Hütten, in denen jahr­zehn­telang Grenzwächter/innen bei Unwettern Unter­schlupf finden konnten, stehen zukünftig Institu­tio­nen, Vereinen und Interessierten als kleinstes Museum der Ostschweiz für Ausstellungen zu Verfügung.Auch die Naturschutzgruppe kann da­rin an bester Spazierlage für ihre Anliegen werben. So ist im Frühjahr 2017 eine Ausstel­lung zum Thema Biber geplant.

Die Umweltanliegen wurden im Sorgenbarometer der Öffentlichkeit zurückgedrängt. Migration und Wirt­schafts­fragen stehen im Zentrum der politischen Debatte. Dennoch sind die Auswirkungen der Klimaver­än­de­rung unübersehbar. Ein Wärmerekord nach dem anderen wird gebrochen, auf lange Trocken­perio­den folgen grosse Niederschlagsmengen wie im Frühsommer 2016. Erfreulicherweise wurde 2016 das Klimaabkommen abgeschlossen. Zu hoffen ist, dass Taten folgen und die Einsicht wächst, dass ein sorgsamer Umgang mit der Natur und den Ressourcen eine entscheidende Grundlage für nachhalti­ges wirtschaftliches Gedeihen und zur Verhinderung von weltweiten Flucht- und Migrationsbe­wegungen ist.

Informationen und Unterlagen über die Aktivitäten der Naturschutzgruppe findet man auf der schön gestalteten Homepage unter www.naturschutzgruppe.ch. Ich danke allen ganz herzlich, die sich für die Umwelt in unserer Region einsetzen, insbesondere dem Vorstand für die aktive und freundschaftliche Zusammenarbeit.

Diepoldsau, der 30.12.2016                               Jürg Sonderegger, Präsident Naturschutzgruppe Alta Rhy


Jahresbericht 2015

2015 war das wärmste Jahr seit den systematischen Wetteraufzeichnungen. So ganz freuen können wir uns nicht, ob all der vielen wunderschönen Tage, sind sie doch Boten einer weltweiten Klimaveränderung mit unabschätzbaren Folgen. Wenigstens hat die Klimakonfe¬renz in Paris gezeigt, dass bei den politischen Entscheidungsträgern die Einsicht grösser geworden ist – hoffentlich folgen den Worten Taten.

Die Naturschutzgruppe Alta Rhy stellte das Jahr 2015 unter das Thema „Natur vor der Haustür“. Wir sind überzeugt, dass Verständnis und Rücksichtnahme auf die Natur durch Naturerleben in der eigenen Umgebung beginnen und dass die lokalen Bemühungen ebenso wichtig sind wie die grossen politischen Aktivitäten.

Ein Höhepunkt des Jahres war die Projektwoche „Natur“ mit dem Schulhaus Kirchenfeld. Über 30 Kinder erlebten die Natur als Ort des Staunens, Lernens, Arbeitens und Erlebens. Die Kinder bauten für (ihren) Garten Unterschlüpfe für Tiere (Hummelburgen, Starenkästen…). In Kooperation mit der Ortsgemeinde Schmitter wurden mehrere grosse Bienenhotels erstellt und gefüllt (war das ein Sägen, Bohren Schleifen!). Im Kieswerk Sieber wurden Goldruten bekämpft. Neben den Arbeitsphasen gab es von einer Spezialistin Informationen zu den Wildbienen und konnten die Kinder im Kieswerk über die Gelbbauchunken nachforschen. Der Abschlusstag zeigte den Kindern Naturschätze im Gebiet Wichenstein in Oberriet, wo Biberspuren, Eidechsen, Dohlen beobachtet und in der Höhlenburg die Sage von den Raubrittern und den wilden Hunden erzählt wurden.

Der Pfingstbrunch beim Weiher Bofel ermöglichte das Degustieren von feinen Köstlichkeiten aus der Natur. Es ist erstaunlich, wie viele unserer Blumen und Kräuter essbar sind und unsere Küche bereichern können, wenn man sie kennt und schätzen gelernt hat.

Vögel begleiten seit jeher unser Naturerleben. Eine Frühlingsexkursion und ein Informations-abend zum Thema „Vögel füttern – aber richtig“ beschäftigten sich mit unseren gefiederten Freunden.
Auch der Igel ist ein Sympathieträger für die Natur. Im September zeigte uns ein Spezialist der Igelstation Zürich, wie im eigenen Garten angemessene Unterschlüpfe für Igel gebaut werden können: Unten mit Holzspalten einen Hohlraum von 30×30 cm erstellen, dann Äste und viel Laub aufschichten, den Abschluss bilden Tannäste, um den Unterschlupf trocken zu halten.

Diese eher öffentlichkeitsorientierten Aktivitäten wurden ergänzt durch die weniger sichtbaren: An Arbeitstagen erledigten wir und insbesondere die Gruppe 60+ Unterhaltsarbeiten in der Natur (Invasive Pflanzen bekämpfen, Sträucher zurückschneiden). Wir betreuten die Krötenwanderung bei der Balgacherstrasse. Immer wieder wurden wir auch dieses Jahr mit Fragen oder bei Problemen kontaktiert: z.B. wurden im Juni Spiren (Mauersegler) bei einer Baustelle der Einflug in ihre Nester verunmöglicht, was dazu führte, dass sofort bei einer benachbarten Scheune Ersatznester aufgehängt wurden. Dass diese Nester in der Folge so kurzfristig nicht angenommen wurden, zeigt, dass die Natur nicht planbar ist, sondern möglichst frühzeitig Massnahmen diskutiert und getroffen werden müssen. Weitere Aufgaben, die wir wie jedes Jahr wahrnehmen, sind die Betreuung von Fledermauskolonien und die Beratung von Personen, die Fledermäuse in oder an ihren Häusern entdecken. Agnes Schümperlin hegte im Herbst Igel, bis sie genügend schwer waren und in den Winterschlaf gehen konnten. Sie hat zudem als Tierschutzbeauftragte der Gemeinde Jahr für Jahr viele Stände und Gänge in Sachen Natur.

Naturschutz ist eine Aufgabe, die die Augen und Ohren für die nächste Umgebung öffnet und uns hilft unser Leben intensiver zu leben. Sie ist Balsam für die Seele – nicht nur für die Engagierten und „Grünen“ sondern für alle Menschen. Ist es nicht so, dass wir alle staunend innehalten, wenn ein Schmetterling sich auf uns setzt und einen Moment bei uns verharrt?

30. Dezember 2015 Jürg Sonderegger, Präsident Naturschutzgruppe Alta Rhy


Jahresbericht 2014

Wie geht es der Natur auf der Rheininsel? So genau wissen wir es nicht. Einerseits wurden in den
letzen Jahren diverse Aufwertungsmassnahmen realisiert (z.B. entlang des Alten Rheins),
andererseits stimmen Nachrichten über einen gravierenden Artenschwund nachdenklich. Wer hätte
vor einigen Jahren gedacht, dass der Hausspatz 2015 Vogel des Jahres wird, u.a. weil der Bestand
eingebrochen ist.
Die Naturschutzgruppe Alta Rhy und vor allem auch die Gruppe Natur 60+ bemühen sich, einen Beitrag an die
Naturvielfalt in der Gemeinde zu leisten. An Arbeitstagen werden Hecken geschnitten, extensive Flächen
gepflegt, invasive Pflanzen bekämpft. Im Jahr 2014 wurden z.B. von der Gruppe 60+, der Naturschutzgruppe
und insbesondere von Paul Lüchinger 115 Arbeitsstunden zur Bekämpfung der Goldruten eingesetzt.
Nur diesen Bemühungen ist es zu verdanken, dass wir diesen Eindringling auf dem Gemeindegebiet
einigermassen unter Kontrolle haben.

Am Frühlingsarbeitstag wurde ein ganz besonderes Biotop geschaffen: Ein alter Apfelbaum im Siedlungsgebiet
wurde im Zuge der Bautätigkeit gefällt. Auf Initiative von Fredy Kuster wurde er im Riet neu eingegraben
und zu einem Grosshotel für Wildbienen umgestaltet. Noch haben nicht so viele eine der neuen
Wohnungen bezogen – wir sind gespannt auf die Bilanz im neuen Jahr.

Auch 2014 bemühten wir uns in Zusammenarbeit mit den Naturschutzorganisationen von Widnau
und Balgach um die Krötenwanderung bei der Balgacherstrasse. Es ist eine mühsame und von
wenig Erfolg gekrönte Arbeit: Insgesamt wurde die Strasse im März 6mal gesperrt (meist ca. 1830-
2330 Uhr). Dazu kamen mehr als 30 (!) zusätzliche Abende, an denen Verantwortliche zum Teil
mehrere Kontrollgänge unternahmen, patrouillierten, die Wanderungsbewegungen beobachteten
oder einzelne Tiere retteten. Trotz der jahrelangen Bemühungen nimmt gemäss unserer Beobachtungen
die Zahl der Tiere kontinuierlich ab. Es muss im Kontext der Planungen zur Sanierung der
Strasse nach neuen Lösungen gesucht werden, wenn es dann für die (schweizerisch geschützte)
Population nicht schon zu spät sein wird.

Als Jahresthema begleiteten us die Pilze durchs Jahr. An der Hauptversammlung führte uns Fredi Indermaur in die „Wunderbare Welt der Pilze“ ein. An einer ersten Exkursion auf der Rheininsel mit über 20 Teilnehmer/innen wurden
Waldpilze gesucht und bestimmt. Eine zweite Exkursion führte Mitte August zum Gletscherhügel in St. Margrethen. Über 50 Interessierte fanden sage und schreibe 70 verschiedene Pilzsorten. Die Vielfalt und Vielgestaltigkeit dieser für die Ökologie so wichtigen Lebewesen löste grosses Erstaunen aus. Bei diesem Jahresthema war es naheliegend,  Naturverbundenheit auch über den Magen zu pflegen. Ein Kochkurs zur Pilzzubereitung rundete dieses spannende Jahresthema ab. Mitte Juni führte der Verein Lebensraum Rheintal (Zusammenschluss von Forst, Jagd, Fischerei
und Naturschutz) beim Zollamt Schmitter einen besonderen Naturtag durch. In Zusammenarbeit mit der Behindertenorganisation Insieme war die Bevölkerung eingeladen, an den von den vier Teilgruppen vorbereiteten Posten zu staunen, tätig zu sein, sich zu informieren… Wir betreuten den Naturschutzposten und stellten ihn unter das Thema „Unsere Fledermäuse“. Wir informierten über deren Leben, zeigten, wo und wie man diese Tiere beobachten kann und welche Schutzmassnahmen nötig sind. Wir legten verschiedene Bastelmöglichkeiten für grosse und kleine Kinder, für Behinderte und Nichtbehinderte bereit. Als Höhepunkt wurde eine lebendige Wasserfledermaus gezeigt und erklärt, wie sie hier am Alten Rhein lebt. Viele Besucher/innen waren begeistert, weil sie zum ersten Mal eine lebendige Fledermaus ganz aus der Nähe sehen konnten.

Zu unserer Arbeit gehört auch die aktive Teilnahme an behördlichen Arbeitsgruppen. Wir sind eingebettet in die Natur- und Energiekommission, wo wir u.a. Vorschläge für die Verbesserung der Energiebilanz einbringen. Ausserdem beansprucht uns die Mitarbeit in den Verkehrskommissionen. Die Frage, wie Diepoldsau zukünftig von Verkehr entlastet werden kann, ohne dass dies stark auf Kosten der Landschaft und der Natur geschieht, war 2014 akut und wird uns 2015 noch intensiver beschäftigen. Wir verstehen uns als Anwälte für eine Landschaftsentwicklung, die Ökologie als zentralen Teil einer nachhaltigen Entwicklung versteht. Der Beginn und der Abschluss des Vereinsjahres waren eher besinnlicher Art: Eine Abendwanderung im Gebiet des Ruppens führte uns im Januar über knirschenden Schnee in die Stille, ehe wir uns in einem abgeschiedenen alten Bauernhaus bei einer feinen Suppe aufwärmen konnten und den Abend gemütlich ausklingen liessen.

Zum Abschluss des Vereinsjahres treffen sich jeweils am 23.12. v.a. Familien im Tannewäldli, um gemeinsam zur Ruhe zu kommen. An der Waldwienacht werden Lieder gesungen, eine Geschichte erzählt, am Feuer Würste gebraten. Es war ein Austausch in einer friedlichen, adventlich-erwartungsfrohen Stimmung. Die grosse Beteiligung zeigte, dass diese Art der Besinnung in unserer hektischen Zeit durchaus einem Bedürfnis entspricht.

Wie es um die Natur auf der Rheininsel insgesamt bestellt ist, können wir nicht sagen. Wir bemühen uns aber nach unseren Möglichkeiten, ihr trotz des Siedlungs- und Produktionsdrucks Räume zuzugestehen, weil wir überzeugt sind, dass wir Menschen in dieser technologisierten Welt mehr denn je Verwurzelung in einer vielfältigen Natur- und Kulturlandschaft brauchen. Wir danken allen, die uns dabei unterstützen.

30. Dezember 2014 Jürg Sonderegger, Präsident Naturschutzgruppe Alta Rhy


Jahresbericht 2013 der Naturschutzgruppe Alta Rhy, Diepoldsau

Für das Jahr 2013 haben wir das Thema „Kies“ ins Zentrum gestellt. Kies bedeutet für Diepoldsau Dynamik: Die Steine des Naturrheins, das unterirdische Kies, das für unser Wasser so wertvoll ist, die Ausbeutung des Kiesvorkommens im Alten Rhein ab den 60 Jahren, der Bau der Autobahn, der Betonbauboom… Kies ist aber auch Lebensraum für eine spezifische Flora und Fauna. Die früher bei uns so typischen, heute aber sehr bedrohten Amphibienarten wie Laubfrosch, Unke, Kamm­molch sind auf ganz wenige Restbestände zusammengeschrumpft. War vor 50 Jahren der Chor der „kleinen Schreier“ Laubfrösche so laut, dass man ihr nächtliches Rufen im Dorf als Nachtruhe­störung erlebte, waren bei unserer Frühjahrs-Amphibienexkursion die Rufe von zwei Laubfrosch­männchen im Kieswerk ein grossartiges und erfreuliches Erlebnis-  es gibt sie noch auf der Rheininsel!

Es ist paradox – die Kiesindustrie, welche jahrzehntelang dafür (mit-)verantwortlich war, dass die Naturvielfalt auf der Rheininsel erheblich beeinträchtigt worden ist, ist heute ein ganz wichtiges Naturrefugium. In der Zwischenzeit hat sich eine sehr erfreuliche und für beide Seiten Gewinn bringende Zusammenarbeit mit dem Kieswerk Sieber entwickelt. An der Hauptversamm­lung referierte der Leiter Natur des Fachverbandes der Kies- und Betonindustrie, Beat Haller. Er betreute auch zwei Schulklassen, welche Naturoasen im Kieswerkareal bauen durften. Der Höhepunkt des Vereinsjahres war zweifellos der Erlebnistag in der Kiesgrube: weit mehr als 500 Personen nutzten die Gelegenheit, sich am 11.8. auf den Kiesbergen auszutoben, mit Steinen zu spielen, zu basten, Tiere und Pflanzen kennenzulernen, an Führungen durchs Kieswerkteil zunehmen… Viele waren begeistert, dass sie Einblick in diese oft geschlossene Welt erhalten konnten, dass sie erstmals eine Unke in die Hand nehmen konnten. Die Naturschutz­gruppe ist überzeugt, dass sich aus solchen Erfahrungen und naturnahen Erlebnissen im eigenen Lebensraum Naturverbundenheit entwickeln kann. Wir danken Hansjörg Sieber für die grossartige Unterstützung während dieses Jahres v.a. aber auch dafür, dass er kontinuierlich Aufwertungs­massnahmen in seinem Areal realisiert. Wir werden ihn auch in Zukunft unterstützen (z.B. bei der Bekämpfung der Goldruten), sodass sich die vorbildliche Zusammenarbeit zwischen Industrie und Naturschutz weiter etabliert.

 Auch sonst war das Jahr 2013 ein Jahr der Aufwertungsmassnahmen auf der Rheininsel. Das Rheinunternehmen realisierte als Kompensationsmassnahme für den Lettenabtrag entlang dem Neuen Rhein (und der damit verbundenen Zerstörung von seltenen Biotopen) erste professionell betreute Aufwertungen: Der Mitteldamm wurde an verschiedenen Orten abgetragen. Damit konnten ökologisch wichtige Flachwasserzonen geschaffen werden. Die Auenwälder wurden ausgelichtet, Weiher geschaffen… Das Rheinunternehmen hat damit ein Bekenntnis für die Sorge um Naturvielfalt abgelegt. Wir konnten dabei mithelfen, z.B. indem wir Sanddorn und andere einheimische Sträucher pflanzten.

Naturschutzarbeit ist oft wiederkehrende, manchmal auch langweilige Arbeit; z.B. gleicht das Bekämpfen von Neophyten wie Goldruten oder das Springkraut einer Sisiphusarbeit. Immer wieder entdecken wir neue Vorkommen, die sich auszubreiten drohen. Zum Glück können wir dabei auf die tolle Arbeit der Gruppe 60+ zählen. Ohne sie sähe es diesbezüglich in den Diepoldsauer Natur­gebieten ganz anders, weit trister aus. Zu den wiederkehrenden Arbeiten gehört auch die Kröten­rettung entlang der Balgerstrasse. Hier nimmt die Zahl der Kröten kontinuierlich ab; es besteht die Gefahr, dass eine Population von schweizerischer Bedeutung unter den Rädern der Autos und unter der Intensivlandwirtschaft zermalmt wird. Vielleicht entstehen durch die Sanierung der Strasse und den Bau eines Retensionsraums für den Binnenkanal neue Chancen für die Moosangerkröten. Es könnte aber auch schon zu spät sein.  Vor zwei Jahren haben wir entlang des Alten Rheins Fledermauskästen aufgehängt, um zu schauen, welche Arten sich in diesem Gebiet aufhalten. Es hat Fledermäuse entlang dem Alten Rhein, aber es scheint, dass es ihnen in den Baumritzen besser gefällt als in den Betonkästen. Noch warten wir auf die Bewohnerinnen. Aber es ist so: Die Natur lässt sich nicht zwingen, die Naturschutzarbeit braucht Geduld.  Der Abschluss des Vereinsjahres bringt traditionell zweierlei: Pflegearbeiten und Besinnung. Am Abend vor dem Heiligen Abend tref­fen sich jeweils Familien im Tannewäldli, um gemeinsam zur Ruhe zu kommen. An der Waldwienacht wer­den Lieder gesungen, eine Geschichte erzählt, am Feuer Würste gebraten; es war wiederum ein Austausch  in einer friedlichen, adventlich-erwar­tungs­frohen Stimmung mit erfreulicher Beteiligung. Die Naturschutzgruppe dankt allen, die sich daran beteiligen, dass unsere schöne Gemeinde auch in Zukunft lebenswert, naturnah und vielfältig ist. Dezember 2013 Jürg Sonderegger Präsident Naturschutzgruppe Alta Rhy


Jahresbericht 2012

20 Jahre Naturschutzgruppe Alta Rhy – 2012 bestand Grund zum Feiern! Die Jubiläumsaktivitäten begannen an der Hauptversammlung im Februar: Mit über 60 Personen schauten wir anhand von Bilddokumenten auf die Entwicklungen und vielfältigen Aktivitäten in den vergangenen zwei Jahrzehnten zurück. Es war ein eindrücklicher Einblick in das grosse Engagement der Naturschutzgruppe – immer wieder waren Aussagen wie „Au ja, das haben wir ja auch noch gemacht“ zu hören. Zwischendurch liessen wir uns kulinarisch von lauter Produkten, die in unserer Gegend produziert worden waren, und von Musik der jugendlichen Kirchenband verwöhnen.Wegen des Jubiläums wurde der Vereinsprospekt neu gestaltet. Der Leitsatz „Für eine intakte Natur und ein lebenswertes Dorf“ wirbt nun in neuem Kleid und aktuellem Design für unsere Anliegen. Am 8. Juni fand die offizielle Feier für Gäste und Vereinsmitglieder statt. Eindrucksvolle Musik auf einem Lithophon (eine Art Steinxylophon) umrahmte die Begrüssung des Vereinspräsidenten und die Grussbotschaft des Gemeindepräsidenten. Dann erhielten die vielen interessierten Anwesenden Einblicke in die Wanderausstellung „RheinLeben“ und in die geplanten ökologischen Aufwertungsmassnahmen entlang des Alten Rheins. Nachdem Oberstufenschülerinnen ihre Erfahrungen mit dem Projekt „Naturlehrpfad“geschildert hatten, wurde die Festgemeinde mit einem Buffet aus einheimischen Produkten verwöhnt.Der Naturtag am 9. Juni stand im Zeichen des Projekts „Natur-lehrpfad“. Während Wochen hatten 10 Schulklassen aus Diepoldsau sich zusammen mit Fachleuten intensiv mit dem Lebensraum Rheininsel beschäftigt. Sie trugen wesentliche Informationen über Tierarten und Biotope zusammen. Entstanden ist ein Naturlehrpfad entlang des Alten Rheins von Kindern für die Bevölkerung. Dank vieler lokaler Sponsoren konnten die Tafeln der Kinder und Jugendlichen professionell gestaltet und montiert werden, so dass sie der Bevölkerung auch in Zukunft Informationen über Naturschätze aber auch Anregungen für Spiele geben werden. Die Einweihungdes Naturlehrpfads war ein Grossereignis. Die Kinder präsentierten ihre Tafeln und die Erkenntnisse ihrer Arbeit mit Theater, Spielen,Gesang und Ausstellungen. Hunderte von Leuten liessen sich von der fröhlichen Stimmung anstecken und erfuhren Spannendes und Interessantes über die Umwelt, in der sie leben.Parallel konnten am Festplatz bei der Ortsgemeindehütte Diepoldsau die Wanderausstellung „RheinLeben“ und die Holzskulpturen des Künstlersymposiums von „Kultur uf dr Rhyinsel“ besucht werden.Neben den Jubiläumsaktivitäten wurde selbstverständlich die alltägliche Naturschutzarbeit weitergeführt: Krötenrettung entlang der Balgacherstrasse, Brachland-, Hecken- und Weiherpflege, Goldrutenbekämpfung, Fledermaus- und Vogelkastenreinigung, Mitarbeit in der Natur- und Energiekommission, Organisa-tion von Exkursionen für die Öffentlichkeit (Diesmal ins Bannried zum Thema Vögel getreu dem Sujet im Logo der Naturschutzgruppe). Den Anschluss der Vereinsaktivitäten bildete wie seit vielen Jahren die Waldweihnacht am 23.12. im Tannewäldli. 2012 war ein intensives aber auch beglückendes Jahr: Die Jubiläumsaktivitäten ermöglichten vielen Kin-dern und Jugendlichen aber auch vielen Erwachsenen Begegnungen mit der Natur vor der Haustüre. Die Solidarität der Dorfkooperationen und der lokalen Geschäfte war gross; nur dank ihrem Goodwill konnten die Auslagen für die Aktivitäten gedeckt werden. Ihnen, den beteiligten Kindern, Lehrpersonen, Helferin-nen und Helfern gehört ein herzliches Dankeschön.Die gesamten Aktivitäten im Vereinsjahr 2012 konnten nur dank viel Zusatzarbeit im Vorstand geleistet werden. Jede/r packte mit an und trug einen grossen Beitrag zum Gelingen bei. Dies ist dies ein Zeichen der guten Stimmung untereinander und des Engagements für eine gute Sache. Diepoldsau, der 03.01.2013 Jürg Sonderegger, Präsident Naturschutzgruppe Alta Rhy. Auch kleine Steine machen Kreise Auszug aus dem Referat von Jürg Sonderegger beim Jubiläum „20 Jahre Naturschutzgruppe Alta Rhy“ am 8.6.2012 Naturschutz braucht Kleine und Grosse. Im Kontext der Jahrmillionen Entstehungsgeschichte und den Hunderten von Jahren von Kulturgeschichte des Kampf der Menschen gegen den Rhein aber auch von dessen Nutzung als Wasserreservoir, Wasserstrasse, Ressourcenspender, Flössermöglichkeit, Erholungsraum kommen einem die 20 Jahre Naturschutzgruppe Alta Rhy etwas lächerlich vor. Und doch ist es so, dass jede Generation das eigene Verhältnis zur Mitwelt neu aufbauen muss. Der Alte Rhein ist so, wie er heute ist, weil vor gut 90 Jahren sich die Menschen mit dem Durchstich von der Überschwemmungsnot befreien wollten. Er ist aber auch so, weil vor 40-50 Jahren ein Bauboom einen ungeheuren Kiesbedarf entfachte. Die Ältern unter uns erinnern sich an die Bagger, wie sie viel mehr als bewilligt und ökologisch sinnvoll ausbeuteten und wie aus einem relativ schalen Bach grosse Baggerlöcher entstanden.Heute präsentiert sich der Alte Rhein als zwar schöne aber doch auch naturferne Landschaft, genutzt und übernutzt. Es ist wohl kein Zufall, dass die Generation der jungen Erwachsenender 90iger Jahre die Naturschutzgruppe gegründet hat. Das Aufkeimen der Ökologiebewegung machte aufmerksam auf die Schattenseiten der sich ausdehnenden Zersiedelung der Landschaft und ausufernden Industrialisierung auch der Landwirtschaft. Die Verluste an Vielfalt wurden Menschen, die diese auf dem Feld, beim Spielen am Rhein noch erlebt hatten, offenkundig. Die Schmetterlinge waren weitgehend verschwunden, das Quaken der Wasser-und Laubfrösche wurde im Dorf kaum mehr gehört, das Hupen der Unken war verschwunden, das Schwarzkehlchen sang nicht mehr von den Sträuchern am Rhein… Die Überzeugung,naturnahe Reste zu bewahren und auszuweiten trug diese Gruppe durchdie Jahre 20 Jahre.Und heute? Die Naturschutzbemühungen haben sich verändert. Früher wurden v.a. Nistgelegenheiten für Vögel aufgehängt, Natur-schutzgebiete gepflegt. Das ist nach wie vor sinnvoll, ohne den grossen Einsatz z.B. der Gruppe 60+ würden grosse Teile der extensiv bewirtschafteten Gebiete von invasiven Pflanzen überwuchert. Heute geschieht Naturschutz aber zum Glück v.a. auch im Grossen, professioneller. Ökologie und nachhaltige Entwicklung braucht Fachwissen, dazu sind wir als kleine Gruppe schlicht nicht kompetent genug. Es geht um grosse Aufwertungsprojekte, die im Dienst einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Entwicklung stehen. Wir denken zwar gemäss unseren Möglichkeiten mit bei den Plänen zur Aufwertung am Alten Rhein,letztlich aber braucht es wissenschaftlich abgestützte Projekte, z.B. im Rahmen der internationalen Rheinkorrektur, der Überprüfung der Melioration im Rheintal. Es geht in der heutigen Generation um eine nachhaltige Entwicklung, in der Ökonomie, Soziales und Ökologie in ein labiles und sich ständig neu bildendes Gleichgewicht gebracht werden. Wir dürfen nicht länger auf Kosten der Zukunft der Kinder leben. Wirals Naturschutzbewegung werden weiterhin die Ökologie im Auge behalten müssen. Es braucht ein Gegengewicht zur Ökonomisie-rung der Gesellschaft, z.B. durch Bildungsbemühungen. Oekologische Bildung ist Identitätsbildung. Das Ökologische Bewusstsein beginnt im Alltag. Unser Leben ist vom Konsum geprägt. Kaum ein Kind erlebt mehr, was es heisst, im Ried oder Garten arbeiten zu müssen und dabei auf Werren zu treffen. Die Feldmäuse, Hasen sind zu Bildern im Computer, zu Comic-Figuren mutiert. Die Naturferne hat zugenommen, damit verbunden hat aber auch die Einbettung indie Um- und Mitwelt gelitten; die Einwurzelung ins Hier und Jetzt ist einer diffusen Orientierung an einer unberechenbaren Zukunft gewichen. Wir sind Weltbürger geworden. Aber es ist schwierig als Weltbürger eine stabile Identität aufzubauen. Wir erleben Heimat nicht im Computer.Wir lernen Verantwortung nicht im Netz, sondern in einer einigermassen überschaubaren Um- und Mitwelt.Im Staunen über die kleinen Wunder der Welt liegt der Schlüssel zur inneren Zufriedenheit. Der Besuch des Grand Canyons ist etwas Beeindruckendes,das Tauchen im Riff vor Australien auch… Aber ohne wirklich offenen Augen und Ohren, ohne die innere Sensibilität, die sich in der nahen Welt des Aufwachsens aufbaut, werden sowohl die Canyon wie die Riffs zum Konsumgut. Auf dieser Überzeugung wuchs die Idee für unsere Jubiläumsaktivitäten: Kinder setzen sich aktiv mit der erlebbaren Umwelt auf der Rheininsel auseinander. Sie gestalten mit Fachleuten zusammen einen Naturpfad für die Bevölkerung. Wie leben die Fledermäuse hier? Wo gibt es auf der Rheininsel Hasen? Das Endprodukt ist erfreulich, da sind Sachinformationen dokumentiert, wurden Kindergeschichten geschrieben, Spiele erfunden…. Die Tafeln sind wirklich toll geworden.Aber für uns ebenso wichtig sind die Erfahrungen auf dem Weg dorthin: Kinder haben mit dem Wildhüter zusammen Fotofallen aufgestellt, haben im Kieswerk erfahren, dass Industrie und Naturrefugium kein Widerspruch sind, sondern Ergänzungen sein können.Achten Sie beim Betrachten der Tafeln auf die Qualität der Zeichnungen, dahaben 1. Klässler/innen ungeheuer viel Sorgfalt darauf verwendet, genau hinzuschauen… Viele Kinder waren begeistert von diesem Projekt. Vielleicht werden sie in Zukunft etwas genauer hinschauen und hinhören, vielleicht verhelfen sie durch die Tafeln auch andern Menschen zu etwas offeneren Augen für die Umwelt aber auch für die Sicht der Kinder auf die Welt.Auch kleine Steine machen Kreise. Draussen am Alten Rhein erleben Kinder eine Grunderfahrung des Menschseins: Ein Stein, der ins Wasser geworfen wird, zieht Kreise, und es kommt nicht mal so sehr auf die Grösse an. Ob gross oder klein, die Kreise pflanzen sich fort in alle Richtungen. So entsteht die Gewissheit – es braucht nicht nur spektakuläre grosse Aktionen, sondern auch jene im Kleinen. Die Welt verändert sich nicht nur durch Bagger, sondern auch durch Schaufeln. Wir hoffen und werden uns dafür einsetzen, dass der kleine Beitrag der Naturschutzgruppe an die Gemeinschaft auch in Zukunft Kreise zieht und einen Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung leisten kann.


Jahresbericht 2011

Das Jahr 2011 hatte zwei Themenschwerpunkte: Abfall und Wald. Die Natur kennt keinen Abfall. Alle Abbauprodukte werden wieder zum wertvollen Bestandteil des ökologischen Kreislaufs. Die Lebensweise von uns Menschen dagegen ist eine Belastung für die Umwelt aber auch für uns selber. Viel wird gemacht, viel ist noch zu tun. Das zeigt u.a. die Aktua­lität des Themas Litterung. Die Naturschutzgruppe hat das Thema auf ganz unterschiedliche Weise aufgegriffen: Durch Information über Abfallvermeidung: An der Hauptversammlung referierte Daniela Schluep vom Amt für Umwelt und Energie über die Problematik und die kantonalen und regionalen Bestre­bungen zu deren Bewältigung. Auf dem Dorfplatz wurden der Bevölkerung regelmässig Tipps zum Thema gegeben. Am 14. Mai konnten sich Interessierte auf dem Dorfplatz von Cornelia Mütschard in die Kunst des Komposierens einführen lassen. Ein Kompost in jedem Garten – von dieser Art der Abfallver­mei­dung sind wir noch weit entfernt. Diepoldsau leidet als Transitdorf bisweilen unter dem Abfall der Geschäfte jenseits der Grenze. Aus diesem Grund konnten sich Interessierte aus erster Hand vom Geschäftsleiter von Mac Donalds Hohenems bei einem Besuch informieren lassen, wie das Abfallkonzept des Geschäfts aussieht; es zeigte sich, dass die Institution viel unternimmt, um dem Problem entgegen zu wirken. Durch Aktionstage am Alta Rhy: Auf Tafeln wurden die Besucher/innen des Alten Rheins gebeten, ihre Abfälle wieder mitzunehmen. An einem verlängerten Wochenende wurden alle Badegäste am Alta Rhy persönlich angesprochen und gebeten, der Landschaft Sorge zu tragen und mit einem gravierten Apfel für ihre Rücksichtnahme belohnt. Am 17. September war „Clean up Day“: Die Bevölkerung war aufgerufen, die Rheininsel zu säubern. Ca. 50 Personen, darunter auch eine Delegation von Mac Donalds, machten mit. Es zeigte sich, dass dank der Bemühungen der Ge­meinde bei oberflächlicher Betrachtung nicht allzu viel Abfall entlang des Alten Rheins herumlag. Sobald man aber genauer in die Hecken und Windschutzstreifen eindrang, wurde klar, dass die Aufräumaktion dringend nötig war.

 Am 28. August war Familientag unter dem Motto: „Die Natur kennt keinen Abfall –  Totholz ist nicht tot!“ Ausgerüstet mit Döschen, Lupen, „Naturstaubsaugern“ und viel Gwunder wurden abgestorbene Bäume geschüttelt, vermoderndes Holz seziert, „Dreck“ untersucht. Welche Viecher und Pilze sor­gen dafür, dass Abgestorbenes und Totes neues Leben ermöglicht. Da tat sich eine unbekannte aber spannende Welt auf, besonders wenn eine Fachperson einem die Zusammenhänge aufzeigen kann.

Im Herbst fanden sich sehr viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem spannenden Rundgang durch die Wälder von Diepoldsau ein: Alfred Kuster und Raphael Lüchinger gingen auf anschau­liche Weise Fragen zum Thema „(Ur)Wälder der Rheininsel“ nach: Wie sah es vor einigen Tausend Jahren hier aus? Welches ist ein junger, ein alter Wald? Welches sind standortgemässe Wälder? Welche naturnahen Pflegekonzepte führen den Wald in die nächsten Jahrzehnte?  Exkursionen gehören zum jährlichen Angebot der Naturschutzgruppe Alta Rhy. Bereits im Januar stand die traditionelle Winterwanderung im Gebiet des Suruggens auf dem Programm. Es ist immer wieder erstaunlich, wie ganz nah von hier eine Abendwelt besteht, die von Stille und Dunkelheit geprägt ist. Naturschutzarbeit ist aber auch Arbeit, bisweilen schöne, bisweilen harte. Die Vereinsmitglieder treffen sich seit Jahren je einmal im Frühjahr und im Herbst, um Pflegearbeiten vorzunehmen: Dazu gehören die Brachland-, Weiher- und Heckenpflege. Zum festen Bestandteil der Jahresaktivitäten gehören Nist- und Fledermauskastenreinigung und die Bekämpfung von invasiven Pflanzen (z.B. von Goldruten). Wir sind sehr froh, dass wir bei den Pflegebemühungen von der Gruppe 60+ unter­stützt werden. Diese packt mit sehr viel Elan gemeinschaftliche und Naturaufgaben an und leistet dadurch einen wertvollen Beitrag zur Naturvielfalt auf der Rheininsel.  Immer im Frühjahr wird die Balgacherstrasse phasenweise abends gesperrt, um den Kröten eine gefahrlose Wanderung zum Laichplatz im Moosanger zu ermöglichen. Diese Arbeit wird zusammen mit den Naturschutzvereinen von Widnau und Balgach gemacht. 2011 wurde die Strasse im März 8mal gesperrt (meist ca. 1830-2315 Uhr). Für das Aufstellen der Sperren mussten jeweils 2 Per­so­nen ca. 45-60 Minuten aufwenden. Das Abbrechen dauerte ca. 30 Minuten. Dazu kamen mehr als 20 Aben­de, an denen Verantwortliche zum Teil mehrere Kontrollgänge unternahmen, patrouillierten und die Wanderungsbewe­gungen beobachteten und einzelne Tiere retteten.  Der Abschluss des Vereinsjahres ist traditionell besinnlich. Am Abend vor dem Heiligen Abend tref­fen sich Familien im Tannewäldli, um gemeinsam zur Ruhe zu kommen. An der Waldwienacht wer­den Lieder gesungen, eine Geschichte erzählt, am Feuer Würste gebraten; es ist ein Austausch  in einer adventlich-erwartungsfrohen Stimmung.  Die Naturschutzgruppe dankt allen, die sich daran beteiligen, dass unsere schöne Gemeinde auch in Zukunft lebenswert, naturnah und vielfältig ist. Im 2012 feiert die Naturschutzgruppe das 20jäh­rige Bestehen. Ist das nicht ein Grund zur Freude?


Jahresbericht 2010

Das Jahr 2010 war das UNO-Jahr der Biodiversität. Für ein Jahr standen Hauptzielsetzungen der Naturschutzgruppe national und weltweit in Diskussion. Die Schweiz hat die UN-Konvention zur Biodiversität bereits 2002 unterzeichnet. Doch das hat die ökologische Verarmung nicht aufhalten können. Zentrale Biodiversitätsziele wurden gemäss des Nationalberichts 2010 nicht erreicht (z.B. Erhalt der Vielfalt von Ökosystemen und Lebensräumen, Förderung der Artenvielfalt, Förderung der Nachhaltigkeit des Konsums, Reduktion der Lebensraumverluste, Reduktion der Wasserkonsums, Minimierung der Risiken gebietsfremder Arten). 2010 war in der Naturschutzgruppe Alta Rhy selbstverständlich auch dem Jahresthema Biodiversi­tät gewidmet. Wir konkretisierten das Thema am Beispiel der Orchideen. Viele Menschen bewun­dern diese faszinierenden Blumen und staunen über deren Farben und Formen. Wenige aber be­achten die einheimischen Orchideen und wissen, dass nicht wenige davon auch auf der Rheininsel vorkommen – sie sind aber auch bei uns extrem bedroht. Mit dem Abtragen der Anschwemmungen entlang der Hochwasserdämme beim Rhein wurden z.B. ganze Felder Orchideen unwiderruflich zerstört. Absolut erstaunlich ist, dass in der Christbaumkultur der Ortsgemeinde Schmitter viele Orchideen gedeihen. Vor zwei Jahren wurde die Bewirtschaftung umgestellt. Weideten früher Rin­der dort, sind es nun Schafe. Sie fressen das Gras näher an die Christbäume und reduzieren damit den Unterhaltsaufwand. Orchideen sind aber extrem heikel, reagieren auf kleinste Veränderungen im Umfeld, so dass unklar ist, ob die Änderung der Bewirtschaftung dieses einzigartige Kleinod zer­stört. Die Naturschutzgruppe hat im Verlauf des Jahres eine Bestandesaufnahme gemacht: Mit Hilfe von Spezialisten der „Arbeitsgemeinschaft Einheimischer Orchideen“ (AGEO) wurden z.B. mehr als 430 grosse Zweiblätter, 39 langblättrige Waldvögelein gezählt. Schliesslich konnten absolut er­staunliche 12 Orchdieenarten gefunden werden, darunter auch Raritäten wie die Brandorchis. Die Naturschutzgruppe intervenierte bei der Ortsgemeinde, den Entscheid der Schafbewirtschaftung rückgängig zu machen, ohne Erfolg, da die Verträge bereits abgeschlossen waren. Jedoch willigten die Verantwortlichen nach einer Begehung mit dem Pflanzenexperten des Landwirtschaftlichen Zentrums ein, einen besonders wertvollen 600 m2 grossen Teil der Fläche als Versuchsbereich auszuscheiden und in Absprache spät zu schneiden und zu bestossen. Wir sind gespannt, ob es so gelingt, diese besondere Fläche längerfristig zu erhalten und damit einen Beitrag zur Biodiversität vor der Haustüre zu leisten. Verschiedene Aktivitäten während des vergangenen Jahres beschäftigten sich mit den Orchideen: der Vortrag an der letzten Hauptversammlung führte auf beeindruckende Weise in die einheimische Orchideenwelt ein, Exkursionen führten in die Gegend des Buchser Malbuns und in die Gegend des Bangser Riets. Der 12. Juni war der Höhepunkt des Jahres: Am “Tag der Biodiversität und der Orchideen” wurde der Öffentlichkeit ein attraktives Programm geboten: Der Anhänger der Biodiversitätskampagne lud zum Entdecken und Spielen ein. Ein Wettbewerb forderte die Bevölkerung heraus, anhand von Fo­tos die für die Biodiversität besonders wichtigen Plätze in Diepoldsau zu entdecken, zwei Klassen der Sekundarschule hatten mit Hilfe von Fachleuten die Artenvielfalt in Wiesenflächen untersucht und zeigten ihre Ergebnisse, die Bäuerinnen verkauften einheimische und oekologische Produkte. Im Schwerpunkt Orchideen gaben Ausstellungstafeln einen faszinierenden Einblick in die Welt der Orchideen, konnten Kinder unter Anleitung eines Zeichnungslehrers ihre persönliche Orchidee zeichnen und gestalten. Der Höhepunkt aber waren natürlich die Führungen von Ruedi Irniger (AGEO) und Agnes Bischof durch die Orchideenparzelle in Diepoldsau. Diese waren so beein­druckend, dass die Teilnehmenden überzeugt werden konnten, dass sich das Eintreten für den Schutz der Parzelle lohnt. Trotz schlechtem Wetter haben am Aktionstag über 100 Personen teil­genommen. Sie erhielten am Thema Orchideen einen spannenden Einblick in eine Wunderwelt vor der Haustüre und in zentrale Anliegen der Biodiversitätskampage   Im Dezember wurde Diepoldsau das Label „Energiestadt“ vergeben. Ein wichtiger Anstoss zur Ver­bes­serung der Energieeffizienz auf der Rheininsel waren die Aktivitäten der Naturschutzgruppe Alta Rhy im Jahr 2006. In diesem Jahr waren von unserer Seite Anregungen eingebracht und Aktivtäten im Energiebereich angestossen worden, die nun Früchte tragen. Aus diesem Grund konnten wir die Feier zur Übergabe des Labels mitgestalten. Anwesende mussten z.B. mit Muskelkraft die Lampen zum Leuchten bringen. So wurde anschaulich, wie unterschiedlich deren Energieverbrauch ist. Ein weiteres herausragendes Ereignis des vergangenen Jahres war die Gründung der Gruppe 60+. Unter der Leitung von Paul Lüchinger treffen sich über ein Dutzend Männer jeden Monat an einem (Halb-)Tag zum Erledigen von Naturschutz- und anderen gemeinnützigen Arbeiten. Sie unterstüt­zen die Naturschutzgruppe in der Pflege der Schutzgebiete, im Schneiden der Hecken, in der Be­kämpfung der eingewanderten Pflanzen (Goldruten). Durch diese effiziente und gemeinschaftsför­dernde Arbeit wird nicht zuletzt auch ein grosser Beitrag zur Erhaltung der Naturvielfalt in Diepold­sau geleistet. Das Jahr der Biodiversiät ist zwar vorbei, doch die Arbeit bleibt. Nur wenn sie über Jahre und Jahr­zehnte vor Ort gemacht wird, können wir unseren Nachkommen eine vielfältige Landschaft hinter­lassen. Die Naturschutzguppe setzt sich seit bald 20 Jahren für diese Ziele ein, kontinuierlich, mit Ausdauer, mit begrenzten Möglichkeiten aber viel Engagement.